Mo.. Juni 22nd, 2026

Sichtbarkeit im Internet ist ein zweischneidiges Schwert. Als Janine Lang, bekannt als Trans* Frau aus Bad Arolsen, stehe ich seit vielen Jahren in der Öffentlichkeit

. In der zweiten Ausgabe meines Podcasts teile ich mit euch ganz ungeschminkt meine Erfahrungen mit den Schattenseiten von Social Media: Hate, Anfeindungen und der Umgang mit digitaler Hetze. Doch meine wichtigste Botschaft vorweg: Ich lasse mich nicht unterkriegen.

Der Blick zurück: Ein verändertes Leben

Wer meine Reise verfolgt, weiß, dass sich mein Leben in vielerlei Hinsicht gewandelt hat. Früher war ich unter anderem in der FSK-18-Szene aktiv. Diesem Bereich habe ich jedoch vollständig und endgültig den Rücken gekehrt. Ich habe aus meiner Vergangenheit gelernt und gehe heute anders mit den Dingen um. Dennoch erlebe ich aufgrund meiner Persönlichkeit und meines Seins nach wie vor Anfeindungen – sowohl online als auch gelegentlich im realen Leben, wobei es sich offline glücklicherweise im Rahmen hält.

Die Plattformen des Hasses: Von X bis zu KI-Fake-News

Besonders extrem zeigt sich der Hass auf der Plattform X (ehemals Twitter). Meine Strategie dort ist simpel, aber effektiv: Ich reagiere gar nicht auf die Provokationen. Ich nutze die Plattform rein als Marketinginstrument, um Reichweite für meine Blogbeiträge und Videos zu generieren, verweigere jedoch jegliche Interaktion mit den toxischen Kommentaren.

Noch perfider ist die Situation auf YouTube, wo mittlerweile zwei bis vier Kanäle existieren, die gezielt Fake-News über mich verbreiten. Erschreckend dabei ist, dass rund 99 % dieser Inhalte mithilfe von Künstlicher Intelligenz generiert werden. Bilder, Textpassagen und Wortfetzen von mir werden gestohlen und ins Negative verkehrt, um mir Aussagen in den Mund zu legen, die ich so nie getätigt habe. Dabei nutze ich selbst KI wie Google Gemini im positiven Sinne, um meine Inhalte zu strukturieren

Die Kehrseite dieser Technologie zeigt jedoch, wie leicht sie missbraucht werden kann, um Menschen in ein falsches Licht zu rücken.

Queerfeindlichkeit ist eine traurige Realität

Mit diesen Erfahrungen bin ich leider nicht allein. Viele queere und transsexuelle Personen erleben in den sozialen Medien puren Hass. Diese zunehmende Queerfeindlichkeit ist eine traurige gesellschaftliche Entwicklung


Besonders verletzend ist es, wenn sogar aus den eigenen Reihen der Trans-Community Kritik laut wird, weil ich mich beispielsweise nicht operieren lasse oder keine klassisch weibliche Stimme habe

Dazu möchte ich eines klarstellen: Trans zu sein hängt nicht von einer ärztlichen Diagnose oder dem Operationsstatus ab

Man ist es von Geburt an, es wird einem in die Wiege gelegt. Schon in meiner Kindheit habe ich mich als Mädchen gefühlt und heimlich die Kleider meiner Schwester angezogen. Heute lebe ich stolz und vollständig als Frau. Mein offizielles Outing war am 14. März 2023, gefolgt von der Therapie und dem Start meiner Hormonersatztherapie am 14. Dezember 2024. Seit der Personenstandsänderung im November 2024 bin ich auch vor dem Gesetz offiziell eine Frau.

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum

Ein großes Problem im Netz ist die Respektlosigkeit, wie das bewusste Nutzen meines alten Namens (Deadnaming). Das neue Selbstbestimmungsgesetz verankert jedoch klar, dass bewusstes Misgendern und Deadnaming je nach Situation strafrechtlich relevant sein können und sogar Schmerzensgeldzahlungen nach sich ziehen können.

Ich halte mich bei meinen Aktivitäten strikt an die rechtlichen Vorgaben:

  • Reine Hobbynutzung: Mein Social-Media-Auftritt und dieser Podcast werden komplett unentgeltlich und hobbymäßig betrieben – es findet keine Monetarisierung statt.
  • Rechtssicherheit: Mein Impressum und der Datenschutz sind über die IT-Recht Kanzlei München rechtlich abgesichert.
  • Berufliches Umfeld: Selbst Versuche von Hatern, mich bei meinem Arbeitgeber, der Lebenshilfe, anzuschwärzen, scheiterten, da man mich dort persönlich kennt und die Unwahrheiten sofort durchschaut wurden.

Sollte es zu Datenmissbrauch kommen, zögere ich nicht, rechtliche Schritte einzuleiten. Ich arbeite eng mit der Polizei zusammen, um Anzeigen konsequent zu verfolgen. Zudem unterstützt mich meine gesetzliche Betreuerin in rechtlichen Belangen.

Mein Vorschlag: Die Verifizierungspflicht

Um dem anonymen Hass im Netz langfristig Einhalt zu gebieten, fordere ich schon seit Jahren eine allgemeine Perso-Verifizierungspflicht für Social-Media-Profile. Wer mit Klarnamen für seine Straftaten im Netz geradestehen muss, überlegt sich zweimal, was er schreibt.

Mein Rat an euch: Bleibt euch treu!

Trotz all dieser Hürden bleibe ich freundlich, respektvoll und blicke positiv nach vorne. Ich gewähre meiner Community weiterhin private Einblicke in meinen Alltag und mein Leben mit meinem Partner.

Ich möchte euch abschließend eines mit auf den Weg geben: Hört auf euer Bauchgefühl. Lebt euer Leben genau so, wie es euch glücklich macht, und verstellt euch niemals für andere.

Vielen Dank fürs Zuhören und Mitlesen! Folgt mir gerne auf meinen Social-Media-Kanälen und den Podcast-Plattformen eures Vertrauens.

Eure Janine

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